Geschichte

Ein Haus für Kinder ...

1870
Johannes K. F. Hesekiel, Pfarrer in Magdeburg regt an, Kleinkinderschulen (Kindergärten) und gleichzeitig eine Bildungsanstalt für Kleinkinderlehrerinnen zu gründen. Grund war die soziale Notsituation der Arbeiterfamilien in der wachsenden Industrie.

1872
Der Aufruf zur Gründung einer Bildungsanstalt für Kleinkinderlehrerinnen in Halberstadt wird veröffentlicht; darin wird um Spenden zur Beschaffung des Startkapitals gebeten. Frau Christiane Kayser, Kleinkinderlehrerin aus Crefeld, wird zur Vorsteherin berufen. Das Haus Grudenberg 10 wird angemietet.

1873
Die "Bildungsanstalt für Kleinkinderlehrerinnen"  wird am 17. April gegründet. Die Anstalt soll zugleich Ausbildungsstätte, Internat und Mutterhaus sein.
Mitarbeiterinnen werden Schwestern.

1874
Es werden insgesamt 17 junge Frauen zur Kleinkinderlehrerin ausgebildet und 50 Kinder in der angeschlossenen Übungsschule (Kindergarten) betreut.

1875
Die Altersversorgungskasse für die Schwesternschaft wird gegründet.

1876
Als neues Mutterhaus wird das Grundstück Moritzplan 1 (alte Kurie an der Moritzkirche) von Vorstandsmitglied Bankier Vogler gekauft.

1878
Das Korrespondenzblatt "Mitteilungen aus dem Mutterhaus in Halberstadt" erscheint erstmalig.

1883
Die Ausbildung  zur Gemeinde- und Krankenpflege wird angeboten, später kommt die Ausbildung zur Säuglingspflege hinzu.

1887
Das Grundstück Gröperstraße 61wird von Sanitätsrat Jösting gekauft; es soll als Feierabendhaus genutzt werden.

1897
Dem Mutterhaus wird der Status einer juristischen Person zuerkannt.

1898
Nach 25 Jahren des Bestehens der Bildungsanstalt gehören ihr 256 Schwestern an.

1906

Der Grundstein für ein neues Mutterhaus am Sperlingsberg wird zum Erntedankfest gelegt.

Durch „Allerhöchsten Erlaß Seiner Majestät des Kaisers und Königs“ darf die Anstalt den Namen "Cecilienstift" tragen.

Durch die Königlichen Staatsministerien wird die Anerkennung als "milde Stiftung" verfügt.

1908
Das CECILIENSTIFT kauft das Gelände am Sperlingsberg von der Stadt- und Domgemeinde, nachdem bereits 1906 die Bauarbeiten für das neue Mutterhaus sowie Feierabendhaus und Pfarrhaus begonnen hatten.

Am 22. April  wird die Einweihung des Mutterhauses mit einem Festgottesdienst im Dom begangen. Die Schwestern tragen von nun an ein Kleeblattkreuz mit Christusmonogramm, welches dem mittelalterlichen Triumphkreuz des Domes nachgebildet ist.

1911
Der Kindergarten Gröperstraße wird am 1. April  durch den Kleinkinderschulverein eröffnet.

1914
109 Schwestern werden zum Lazarettdienst einberufen.

1916
Anschluss an den Kaiserswerther Verband deutscher Diakonissenmutterhäuser und Übernahme dessen Grundordnung; damit wurde die Entscheidung zu ehelosem Leben Voraussetzung für den Eintritt in die Schwesternschaft; in der Folge trat ein erheblicher Rückgang in der Schwesternschaft ein.

1921
Mit Familie Rimpau wird ein Pachtvertrag über das Sophienheim in Emersleben abgeschlossen (1896 als Krankenhaus erbaut).

1924
Das Sophienheim samt Inventar wird für 40.000 Mark gekauft.

1925
Der Erweiterungsbau des Feierabendhauses sowie der Verbindungsbau zwischen Mutterhaus und Feierabendhaus werden fertiggestellt.

Gehörlose Kinder ziehen ein ...

1926
Beschluss zum Bau eines Taubstummenheimes (Wasserturmstraße 64) als Internat für gehörlose Kinder, die die Gehörlosenschule in Halberstadt besuchen

1927
Die Arbeit mit gehörlosen Menschen beginnt.

Am 07. Juni wird das Heim Hephata in Anwesenheit der Kronprinzessin Cecilie eingeweiht; der Name Hephata stammt aus einer biblischen Geschichte. Jesus wendet sich einem gehörlosen Menschen zu und sagt: „Hephata“  (tue dich auf).

1928
Kauf des Grundstücks Sternstraße 2 und Eröffnung als Kindergarten am 6. Oktober, dem 60. Geburtstag der Oberin Anna Mannsfeld, deren Namen er erhält.

Gemeinsames Dach im Alter ...

1931
Die Altenhilfe kauft das Grundstück Sternstraße 7 und beginnt damit, das Sternenhaus als Wohnheim für alleinstehende und pflegebedürftige Frauen des Mittelstandes zu nutzen.

1935
Das Grundstück für das Pförtnerhaus wird von der Stadt Halberstadt. Geplant waren der Bau eines Krankenhauses als Anbau an das Mutterhaus und die Ausbildung von Kranken­pflegerinnen. Das Pförtnerhaus wird zum 2. Advent fertiggestellt. Die Skulpturen von Martin Luther und Philipp Melanchton am Torbogen stammen vom ehemaligen Lehrerseminar in der Plantage.

1940
Schwestern werden zum Lazarettdienst einberufen.

1941
Das Kindergärtnerinnenseminar wird geschlossen. Grund ist u.a. staatlicher Widerstand gegen christliche Erziehung und christliche Bildungsstätten. Außerdem werden staatliche Seminare in Fachschulen umgewandelt.

1944
Das Sophienheim wird beschlagnahmt, da das Krankenhaus in Oschersleben bombardiert wurde.

1945
Halberstadt wird bombardiert. Im Hephata finden die Verhandlungen zur Übergabe der Stadt an die Amerikaner statt.

Im Herbst beschlagnahmen russische Kommissare das gesamte Kapitalvermögen des CECILIENSTIFTs.

1949

Drei Kindergärten (Paulsplan, Gröperstraße, Huystraße) werden vom Kleinkinderschulverein übernommen.

1952
Die Bibelschule des CECILIENSTIFTs zur Ausbildung von Gemeindehelferinnen nimmt ihre Arbeit auf (drei Semester Theorie und ein Semester Praktikum).

1953
Das Kirchenmusikalische Seminar der Kirchenprovinz Sachsen zur Ausbildung von C-Organisten (nebenberuflich) nimmt unter der Leitung von Domkantor Kühnemundt in den Räumen des CECILIENSTIFTs seine Arbeit auf.

1955
Die Cecilienschwesternschaft wird gegründet.

1956
Völlig unerwartet erfolgt die staatliche Anordnung, dass die bisher im Hephata-Heim betreuten gehörlosen Kinder das Haus verlassen und in ein staatliches Heim übersiedeln müssen. Hintergrund: In der DDR sollen bildungsfähige Kinder nicht in kirchlichen Einrichtungen betreut werden.


Menschen mit geistiger Behinderung leben in der Stiftung …

1957
15  Jungen mit geistiger Behinderung ziehen in das Hephata-Heim ein.

1969
Das Seminar zur Ausbildung diakonischer Kinderhelferinnen wird eröffnet; nach dem Examen des siebten Kurses im Juni 1976 wird dieses Seminar, in dem insgesamt 100 Schülerinnen ausgebildet wurden, geschlossen.

1971
Der Spiel- und Sportplatz in der Wasserturmstraße wird erworben; dieser Kauf ist eine Besonderheit, da kirchliche Einrichtungen in der DDR keine Grundstücke erwerben dürfen.

1972

Die Sondertagesstätte für zwölf schulbildungsunfähige, förderfähige Kinder im Anna-Mannsfeld-Heim wird eröffnet.

1973
Der Kindergarten vom Paulsplan zieht in das Pfortenhaus. Die Stadt Halberstadt hatte den Abriss der Gebäude am Paulsplan angeordnet und eine Schließung des Kindergartens vorge­sehen. Eine Beschwerde der Eltern an den Staatsrat der DDR bewirkte jedoch, dass die Stadt einen Ersatz in Form des Pfortenhauses zur Verfügung stellen musste (in einem Zusatz­proto­koll des Potsdamer Abkommens ist der Bestandsschutz für konfessionelle Kindergärten fest­geschrieben).

1977
Die wöchentlichen Werkandachten beginnen.

Der Kindergarten im Anna-Mannsfeld-Heim wird wegen sinkender Kinderzahl geschlossem. Nach einem Umbau wird  das Haus zur Nebenstation des Hephata-Heims mit 20 Plätzen.

1979
Das Haus Wasserturmstraße 65 wird erworben.

1991
Die Sozialstation wird gegründet.

Die Arbeitstherapie erhält die vorläufige Anerkennung als Werkstatt für Behinderte.

Die Marie-Hauptmann-Stiftung wird von der Stadt übernommen, da das Freigelände des Pfortenhauses zur Erweiterung des Gymnasiums zur Verfügung gestellt wurde.

Das Klusheim wird von der Stadt Halberstadt übernommen.

1992
Die Diakonie Werkstätten Halberstadt gGmbH werden durch Lebenshilfe e.V. und CECILIENSTIFT gegründet.

Das Feierabendheim Nord wird von der Stadt Halberstadt übernommen.

Die Häuser Wernigeröder Straße 4 + 5 werden von der Stadt Halberstadt übernommen..

1993
Taubblinde Kinder ziehen in das umfassend sanierte Wohnheim „Vor der Klus“.

Menschen lernen hören …

1993

Das Cochlear-Implant-Rehabilitationszentrum Sachsen-Anhalt (CIR) in Trägerschaft des CECILIENSTIFTs wird eröffnet.

1994
Die Kindertagesstätte Rappelkiste wird von der Stadt Halberstadt übernommen und als Sonderkindertagesstätte sowie Frühförderstelle eingerichtet.

1996
Das „Wohnheim im Park“ (WiP) wird erbaut und das „Anna-Mannsfeld-Heim“ wird saniert. Beide Häuser werden als „Wohnheime an der Werkstatt für behinderte Menschen“ feierlich eröffnet.

Die Kindertagesstätte Marie-Hauptmann-Stiftung wird saniert.

1998
Das 125-jährige Bestehen des CECILIENSTIFTs wird gefeiert.

Nach umfassender Sanierung werden das Haus Wernigeröder Straße 4 als Wohnheim für acht taubblinde/ hörsehbehinderte Menschen und das Haus Wernigeröder Straße 5 als Wohntraining für sieben geistig behinderte Menschen in Betrieb genommen.

Der Neubau des Cochlear-Implant-Rehabilitationszentrums auf dem Gelände des Mutterhauses wird fertiggestellt.

Die Diakonie Werkstätten Halberstadt gGmbH beziehen den Neubau im Gewerbegebiet in Halberstadt.

1999
Die Sanierung der Häuser 5 und 8 im Seniorenzentrum Nord (stationäre Pflege) erfolgt..

2000
Vier altersgerechte Wohnungen im Mutterhaus werden fertiggestellt.

Die Kindertagesstätte Rappelkiste wird saniert.

2001
Das Leitbild wird erarbeitet.
Die Fachwerkhäuser im Seniorenzentrum Nord (Haus 6/7) mit 23 altersgerechten Wohnungen, Cafeteria und Räumen für die Sozialstation werden nach Sanierung übergeben.

2003
Im Gartenhaus auf dem Gelände des Sternenhauses entstehen nach Umbau fünf altersgerechte Wohnungen.

2004
Das Sophienheim wird nach umfassender Sanierung  als Wohnheim für mehrfach behinderte und sinnesbehinderte Menschen geführt.

2005
Das Intensiv Betreute Wohnen (IBW) für Mutter/Eltern und Kind wird neu als ambulante Wohnform angeboten.

2010
Die Frühförderung verlegt ihren Sitz aus der Rappelkiste in die Marie-Hauptmann-Stiftung. Siebzig Kinder werden im Landkreis Harz mobil und ambulant betreut.

Das Feierabendhaus wird saniert und ab 23. November als Tagesförderzentrum für Menschen mit geistigen bzw. mehrfachen Behinderungen und Sinnesbehinderungen genutzt.

Historische Fotos